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Personio ersetzen

Wann eine eigene HR-App günstiger und flexibler ist

Personio HR-Software

Personio ist in den letzten Jahren zu einer der bekanntesten HR-Softwarelösungen im deutschen Mittelstand geworden. Das Produkt ist stark, breit aufgestellt und für viele Unternehmen eine sinnvolle Standardlösung.

Trotzdem merken manche Unternehmen nach einiger Zeit: Die Kosten skalieren mit der Mitarbeiterzahl, Zusatzfunktionen erhöhen den Preis, und viele Prozesse passen nur teilweise zur eigenen Organisation.

Für Unternehmen mit Wachstum, mehreren Standorten oder klar definierten HR-Prozessen kann deshalb eine eigene HR- und Zeiterfassungslösung wirtschaftlich und organisatorisch interessant werden.

Was Personio und vergleichbare HR-Software kostet

Personio nennt öffentlich einen Einstiegspreis ab 7,60 € pro Mitarbeiter und Monat. Der konkrete Preis hängt aber von Unternehmensgröße, Modulen, Vertragslaufzeit und Funktionsumfang ab.

Typische Kostenfaktoren bei HR-Software sind:

  • Anzahl aktiver Mitarbeiter
  • Core-HR-Funktionen
  • Zeiterfassung
  • Abwesenheitsmanagement
  • Recruiting
  • Performance Management
  • Payroll / vorbereitende Lohnabrechnung
  • Dokumentenmanagement
  • E-Signaturen
  • Onboarding
  • Integrationen
  • Implementierung und Schulung

Bei 100 Mitarbeitern entstehen selbst bei niedrigen Einstiegspreisen schnell fünfstellige Jahreskosten. Werden mehrere Module genutzt, kann die Rechnung deutlich steigen.

Das eigentliche Problem: HR-Software wird meist pro Mitarbeiter abgerechnet. Wächst das Unternehmen, steigt die Rechnung automatisch – auch wenn nicht proportional mehr Funktionen genutzt werden.

Rechenbeispiel: Personio vs. Individualapp

Ausgangssituation:

Mittelständisches Unternehmen mit 80 Mitarbeitern und 3 HR-Mitarbeitern.

Kernprozesse:

  • Mitarbeiterstammdaten
  • digitale Personalakte
  • Abwesenheitsmanagement
  • Urlaubsanträge und Freigaben
  • Krankmeldungen
  • digitale Zeiterfassung
  • Überstunden
  • einfaches Reporting
  • Onboarding-Checklisten
  • DATEV-Export für die Lohnabrechnung

Kostenposition

Personio über 5 Jahre, 80 MA

Individualapp über 5 Jahre

Basislizenz

ca. 36.500 €

entfällt

Zusatzmodule

ca. 25.000–35.000 €

entfällt

Implementierung & Onboarding

ca. 3.000 €

ca. 5.000 €

Entwicklung

entfällt

ca. 45.000 €

Schulung & Change Management

ca. 10.000 €

ca. 7.500 €

Wartung & Updates

im Abo enthalten

ca. 37.500 €

Gesamt über 5 Jahre

ca. 74.500–84.500 €

ca. 95.000 €

Diese Rechnung zeigt ehrlich: Bei 80 Mitarbeitern ist eine Eigenentwicklung rein finanziell meist noch nicht günstiger.

Der Vorteil entsteht erst bei Wachstum, mehreren Standorten oder sehr spezifischen Prozessen.

Beispiel mit Wachstum auf 120 Mitarbeiter

Wenn das Unternehmen von 80 auf 120 Mitarbeiter wächst und mehrere Module aktiv sind, steigen die Lizenzkosten automatisch mit.

Beispielrechnung:

Szenario

Personio / HR-Software

Individualapp

80 Mitarbeiter

ca. 12.000–15.000 € pro Jahr

stabile Wartungskosten

120 Mitarbeiter

ca. 18.000–25.000 € pro Jahr

stabile Wartungskosten

5 Jahre mit Wachstum

ca. 100.000–115.000 €

ca. 95.000 €

In diesem Szenario kann eine Individualapp nach drei bis fünf Jahren wirtschaftlich interessant werden.

Bei 150 oder mehr Mitarbeitern, mehreren Standorten und zusätzlichen Spezialprozessen kann der Kostenvorteil über fünf Jahre deutlich größer werden.

Was Unternehmen an HR-Software oft nervt

Kosten steigen automatisch mit dem Headcount

Jeder neue Mitarbeiter erhöht die laufenden Softwarekosten. Das ist bei starkem Wachstum ein relevanter Skalierungsnachteil.

Viele Funktionen, wenig Nutzung

Viele Unternehmen nutzen nur Kernfunktionen wie Stammdaten, Urlaub, Krankmeldung, Zeiterfassung und Dokumente. Recruiting, Performance oder komplexe HR-Suites bleiben teilweise ungenutzt.

Standardprozesse passen nicht immer

Freigaben, Überstundenlogik, Schichtmodelle, Standortstrukturen oder projektbezogene Zeiterfassung sind in Standardtools nicht immer exakt abbildbar.

Abhängigkeit vom Anbieter

Daten, Workflows, Dokumente, Rollen und Integrationen wachsen mit der Plattform zusammen. Ein späterer Wechsel wird dadurch aufwendig.

Zusatzmodule und Integrationen

Was im Vertriebsgespräch einfach klingt, kann in der Praxis zusätzliche Module, Beratung oder Workarounds erfordern.

Was Unternehmen wirklich brauchen

Viele mittelständische Unternehmen benötigen im HR-Alltag vor allem diese Kernfunktionen:

  • Mitarbeiterstammdaten
  • digitale Personalakte
  • Urlaubs- und Abwesenheitsmanagement
  • Krankmeldungen
  • digitale Zeiterfassung
  • Überstundenverwaltung
  • Dokumente und Vertragsablage
  • Onboarding-Checklisten
  • einfache HR-Berichte
  • DATEV-Export oder Lohnbuchhaltungs-Schnittstelle
  • Rollen- und Rechtekonzept

Das sind klar definierbare Prozesse. Dafür ist nicht immer ein großes HR-Suite-System nötig.

Was eine individuelle HR-App leisten kann

Eine eigene HR-App sollte nicht Personio vollständig kopieren. Sie sollte genau die Prozesse abbilden, die das Unternehmen wirklich braucht.

Typische Funktionen:

  • Mitarbeiterverwaltung
  • digitale Personalakte
  • Urlaubsanträge mit Freigabeprozess
  • Krankmeldungen
  • Zeiterfassung per Web oder App
  • Projektzeiterfassung
  • Überstundenlogik
  • Homeoffice-Anträge
  • Schichtplanung
  • Onboarding-Checklisten
  • Dokumentenupload
  • Vertrags- und Zertifikatsablage
  • DATEV-Export
  • Auswertungen für HR und Geschäftsführung
  • Rollen für Mitarbeiter, Teamleiter, HR und Geschäftsführung
  • Standort- oder Abteilungslogik
  • Benachrichtigungen und Erinnerungen

Der Vorteil liegt in der Passgenauigkeit. Prozesse müssen nicht an die Software angepasst werden, sondern die Software folgt dem Unternehmen.

Wann sich eine eigene HR-App lohnt

Eine Individualentwicklung kann sinnvoll sein, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • 100 oder mehr Mitarbeiter
  • starkes Wachstum
  • mehrere Standorte
  • komplexe Freigabeprozesse
  • Schichtplanung oder Projektzeiterfassung wichtig
  • mehrere HR-Module verursachen hohe laufende Kosten
  • Standardsoftware bildet interne Prozesse nur teilweise ab
  • Datenhoheit und eigenes Hosting sind wichtig
  • HR-Prozesse sollen mit internen Systemen verbunden werden
  • bestehende Software verursacht viele Workarounds

Wann Standardsoftware besser bleibt

Personio oder vergleichbare HR-Software ist meist sinnvoller, wenn:

  • weniger als 50 Mitarbeiter vorhanden sind
  • nur einfache HR-Kernprozesse benötigt werden
  • Recruiting, Performance Management oder Payroll stark genutzt werden
  • schnelle Einführung wichtiger ist als Individualität
  • die jährlichen Kosten unter ca. 5.000–8.000 € liegen
  • kein Budget für eine größere Einmalinvestition vorhanden ist
  • interne HR-Prozesse noch nicht klar definiert sind

Eine Eigenentwicklung sollte nicht aus Kostendruck allein entstehen. Sie lohnt sich nur, wenn Prozesse, Wachstum und langfristige Kontrolle zusammenpassen.

Rechtliche Themen: Zeiterfassung, DSGVO und Lohnabrechnung

HR-Software verarbeitet besonders sensible personenbezogene Daten. Deshalb müssen rechtliche und organisatorische Anforderungen sauber berücksichtigt werden.

Arbeitszeiterfassung

Arbeitgeber in Deutschland sind verpflichtet, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Eine individuelle Zeiterfassung kann das abbilden, muss aber nachvollziehbar, vollständig und auswertbar sein.

DSGVO

Personaldaten sind besonders schutzwürdig. Wichtig sind Rollenrechte, Zugriffsbeschränkungen, Löschfristen, Protokollierung, Verschlüsselung und Auftragsverarbeitung.

DATEV und Lohnabrechnung

Ein DATEV-Export oder eine Schnittstelle kann technisch umgesetzt werden. Entscheidend ist, welche Daten der Steuerberater oder die Lohnbuchhaltung tatsächlich benötigt.

Arbeitsrechtliche Logiken

Urlaub, Krankheit, Überstunden, Schichten, Ruhezeiten und Teilzeitmodelle sollten fachlich sauber spezifiziert und geprüft werden.

Personio komplett ersetzen oder ergänzen?

In vielen Fällen ist nicht der komplette Ersatz der sinnvollste erste Schritt.

Ein hybrider Ansatz kann besser sein:

  • Personio bleibt für zentrale HR-Prozesse bestehen.
  • Eine eigene App ergänzt spezielle Prozesse wie Projektzeiterfassung, Schichtplanung, Freigaben oder interne Portale.
  • Daten werden über Schnittstellen synchronisiert.
  • Erst später wird entschieden, ob ein vollständiger Ersatz wirtschaftlich sinnvoll ist.

Das reduziert Risiko, Projektgröße und Einführungsaufwand.

Fazit

Personio ist für viele Unternehmen eine gute Standardlösung. Besonders kleinere und mittlere Unternehmen profitieren von schneller Einführung, breitem Funktionsumfang und fertigen HR-Prozessen.

Eine eigene HR-App lohnt sich vor allem dann, wenn das Unternehmen wächst, mehrere Standorte hat oder wiederkehrende Spezialprozesse abbilden muss. Der Kostenvorteil entsteht nicht bei 20 oder 50 Mitarbeitern, sondern eher ab 100 Mitarbeitern, vielen Modulen oder komplexeren Abläufen.

Die beste Entscheidung entsteht durch eine TCO-Rechnung über fünf Jahre: Lizenzen, Module, Implementierung, Support, Schulung, Integrationen, Prozesskosten und Wachstum.

Fragen und Antworten

Kann eine eigene App die gesetzliche Zeiterfassungspflicht abbilden?

Ja. Arbeitszeiten können systematisch, nachvollziehbar und auswertbar erfasst werden. Wichtig sind saubere Rollenrechte, Exportfunktionen und eine prüfbare Datenhaltung.

Ist Schichtplanung möglich?

Ja. Schichtpläne, Tauschbörsen, Verfügbarkeiten und Prüfungen von Ruhezeiten können implementiert werden.


Wie werden bestehende Personaldaten migriert?

Personaldaten lassen sich aus HR-Systemen exportieren und in eine neue Lösung übernehmen. Vorab sollte geprüft werden, welche Daten wirklich benötigt werden und welche gelöscht oder archiviert werden müssen.

Ist eine eigene HR-App günstiger als Personio?

Nicht automatisch. Bei kleinen Teams ist Personio meist günstiger. Bei 100+ Mitarbeitern, Wachstum, mehreren Modulen und Spezialprozessen kann sich eine Eigenentwicklung über mehrere Jahre rechnen.

Wie lange dauert die Entwicklung?

Ein MVP für Stammdaten, Urlaub, Abwesenheiten und Zeiterfassung ist oft in 8 bis 12 Wochen möglich. Eine größere Lösung mit DATEV, Schichtplanung, Rollen, Dokumenten und Reporting liegt eher bei 3 bis 6 Monaten.

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