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Gastronomie-Kassensystem ersetzen

Wenn Lightspeed & Co. mehr kosten als sie bringen

KassensoftwareGastronomenorderbird

Ein Kassensystem für die Gastronomie muss Bestellungen aufnehmen, Tische verwalten, Rechnungen splitten, Belege ausgeben, Tagesabschlüsse erstellen und Daten für Steuerberater und Finanzamt sauber bereitstellen.

Das klingt überschaubar. Trotzdem zahlen viele Gastronomen jeden Monat für Kassensoftware, Add-ons, TSE, Zahlungsabwicklung, Hardware, Support und Zusatzmodule. Bei einzelnen Betrieben ist das meist sinnvoll. Bei mehreren Standorten oder speziellen Gastronomiekonzepten kann eine eigene Lösung wirtschaftlich interessanter werden.

Der entscheidende Punkt ist nicht der reine Monatspreis. Entscheidend sind die Gesamtkosten über mehrere Jahre – inklusive Standorte, Kassenplätze, Add-ons, Integrationen und Prozessaufwand.

Was Gastronomie-Kassensoftware kostet

Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Paket, Hardware, TSE, Zahlungsabwicklung und Zusatzmodulen.

Lightspeed Restaurant

Lightspeed zählt zu den bekannten Kassensystemen für Gastronomie, Restaurants, Bars und Hotels. Die offiziellen Preise werden je nach Land und Setup teilweise nur auf Anfrage genannt. Marktvergleiche nennen für Lightspeed Restaurant häufig Preisspannen von ca. 119 bis 349 € pro Monat für relevante Gastro-Tarife. Add-ons und Integrationen können zusätzliche Kosten verursachen.

orderbird

orderbird PRO wird öffentlich ab 99,90 € monatlich angeboten. TSE, Support und Hardwareoptionen sind je nach Paket bzw. Angebot enthalten oder separat zu prüfen. Für kleine Betriebe ist orderbird eine etablierte Standardlösung.

ready2order

ready2order ist modular aufgebaut. In Deutschland ist für eine rechtssichere Nutzung zusätzlich das TSE-Paket relevant. Dieses liegt aktuell bei rund 15,90 € monatlich bei jährlicher Zahlung. Je nach Setup kommen weitere Pakete, Hardware oder Aktivierungsgebühren dazu.

POSSUM

POSSUM nennt Kassensoftware ab 39 € monatlich. Hardware, Leasing, Payment-Konditionen und Kartenzahlungsgebühren hängen vom konkreten Angebot ab. Bei Kartenzahlungen können zusätzlich Disagio- bzw. Payment-Kosten anfallen.

Typische Zusatzkosten

Bei Kassensystemen ist der Grundpreis selten die ganze Wahrheit. Relevante Kostenpositionen sind:

  • Kassensoftware
  • TSE / KassenSichV
  • iPads, Terminals, Bondrucker und Kassenschubladen
  • Küchendrucker
  • Kartenterminals
  • Payment-Gebühren
  • Add-ons für Inventar, Gutscheine oder Reservierung
  • DATEV-Export
  • Kassenbuch
  • Support und Schulung
  • Einrichtung und Datenübernahme

Für ein Restaurant mit mehreren Kassenplätzen sind Gesamtkosten von 150 bis 500 € pro Monat realistisch. Bei mehreren Standorten kann daraus schnell ein vierstelliger Monatsbetrag werden.

Rechenbeispiel: Standard-Kasse vs. Individualapp

Ausgangssituation:

Restaurantgruppe mit 3 Standorten, je 2 Kassen-iPads pro Standort. Insgesamt also 6 Kassenplätze.

Kernfunktionen:

  • Bestellaufnahme am Tisch und an der Theke
  • Tischplan
  • Rechnungssplit
  • Tagesabschluss
  • TSE-Anbindung
  • Kassenbuch
  • DATEV-Export
  • Küchenbons
  • einfache Umsatzstatistiken

Kostenposition

Standard-Kassensystem über 5 Jahre

Individualapp über 5 Jahre

Lizenz / Software

ca. 35.000 €

entfällt

Hardware

ca. 6.000 €

ca. 6.000 €

TSE-Kosten

ca. 4.000–6.000 €

ca. 1.000–3.000 €

Add-ons

ca. 12.000 €

im Entwicklungsumfang

Entwicklung

entfällt

ca. 40.000 €

Wartung / Betrieb

im Abo enthalten

ca. 32.500 €

Onboarding / Schulung

ca. 1.500 €

ca. 3.000 €

Gesamt über 5 Jahre

ca. 60.000 €

ca. 83.000 €

Diese Rechnung zeigt: Bei 3 Standorten ist eine Eigenentwicklung rein finanziell meist noch nicht günstiger.

Der Vorteil entsteht erst bei mehr Standorten, mehr Kassenplätzen oder sehr individuellen Abläufen.

Beispiel mit 5 Standorten

Bei 5 Standorten verschiebt sich die Rechnung.

Kostenposition

Standard-Kassensystem über 5 Jahre

Individualapp über 5 Jahre

Software, TSE, Add-ons

ca. 85.000–95.000 €

ca. 50.000–55.000 €

Hardware

ca. 10.000 €

ca. 10.000 €

Entwicklung

entfällt

ca. 40.000 €

Wartung / Betrieb

im Abo enthalten

ca. 32.500 €

Gesamt über 5 Jahre

ca. 95.000–105.000 €

ca. 92.000–98.000 €

Ab etwa 5 Standorten kann eine Individualapp wirtschaftlich ähnlich teuer oder leicht günstiger werden. Ab 7 Standorten oder 10+ Kassenplätzen wird der Kostenvorteil deutlicher, weil keine neue Lizenz pro Standort oder Kasse anfällt.

Was Gastronomen wirklich brauchen

Ein Gastronomie-Kassensystem muss im Alltag vor allem zuverlässig sein.

Die wichtigsten Funktionen sind:

  • Bestellungen aufnehmen
  • Bestellungen an Küche oder Bar weitergeben
  • Tische verwalten
  • Rechnungen erstellen und splitten
  • Barzahlung und Kartenzahlung abbilden
  • TSE-konforme Belege erzeugen
  • Tagesabschluss erstellen
  • Kassenbuch führen
  • DATEV-Export für Steuerberater bereitstellen
  • einfache Auswertungen anzeigen

Viele Standardlösungen können deutlich mehr. Das ist nicht automatisch schlecht, führt aber oft zu komplexeren Oberflächen, höheren Kosten und Funktionen, die im Alltag kaum genutzt werden.

Was eine individuelle Kassenlösung kann

Eine eigene Kassenlösung sollte nicht jeden Standardanbieter kopieren. Sie sollte exakt die Abläufe abbilden, die im Betrieb wirklich relevant sind.

Typische Funktionen:

  • unbegrenzte Kassenplätze ohne zusätzliche Lizenzlogik
  • Tischplan nach eigenem Restaurantlayout
  • Bestellaufnahme per Tablet
  • Küchen- und Bondrucker-Steuerung
  • Menüstruktur mit Kategorien, Varianten, Allergenen und Modifikatoren
  • Rechnungssplit
  • Trinkgeld-Handling
  • Tagesabschluss
  • Kassenbuch
  • DATEV-Export
  • TSE-Anbindung
  • Rollen für Service, Küche, Schichtleitung und Verwaltung
  • standortübergreifendes Reporting
  • eigene Reservierungsfunktion
  • Loyalty- oder Gutscheinlogik
  • Offline-Modus für kritische Funktionen

Der größte Vorteil liegt bei mehreren Standorten: Einmal definierte Prozesse können überall gleich genutzt werden, ohne dass jede neue Kasse zusätzliche Lizenzkosten erzeugt.

Wann sich ein eigenes Kassensystem lohnt

Eine Individualentwicklung kann sinnvoll sein, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • 5 oder mehr Standorte
  • 8 bis 10 oder mehr Kassenplätze
  • Lizenzkosten über 500 € monatlich
  • komplexe Menüstrukturen
  • eigene Bestell-, Reservierungs- oder Loyalty-Prozesse
  • standortübergreifendes Reporting ist wichtig
  • Standardsoftware passt nur teilweise zum Konzept
  • Integrationen zu Website, Warenwirtschaft oder Buchhaltung sind nötig
  • langfristige Kontrolle über Daten und Prozesse ist strategisch wichtig

Wann Standardsoftware besser bleibt

Ein Standard-Kassensystem ist meist sinnvoller, wenn:

  • es sich um ein Einzelrestaurant handelt
  • nur 1 bis 2 Kassen benötigt werden
  • die monatlichen Kosten unter ca. 150 € liegen
  • keine besonderen Prozesse nötig sind
  • schnelle Einführung wichtiger ist als Individualität
  • kein Budget für eine größere Einmalinvestition vorhanden ist
  • Support durch einen etablierten Anbieter wichtig ist

Eine Eigenentwicklung sollte nicht aus Frust entstehen. Sie lohnt sich nur, wenn Skalierung, Prozesse und langfristige Kosten zusammenpassen.

Rechtliche Themen: TSE und KassenSichV

In Deutschland müssen elektronische Kassensysteme die Anforderungen der KassenSichV erfüllen. Dazu gehört insbesondere die technische Sicherheitseinrichtung, kurz TSE.

Eine individuelle Kasse kann KassenSichV-konform umgesetzt werden, aber das muss sauber geplant werden. In der Praxis sollte dafür kein eigenes Fiskalisierungsmodul entwickelt werden. Sinnvoller ist die Integration etablierter Anbieter wie fiskaly oder fiskaltrust.

Wichtig sind außerdem:

  • Belegausgabepflicht
  • manipulationssichere Aufzeichnung
  • DSFinV-K Export
  • saubere Tagesabschlüsse
  • nachvollziehbare Stornos
  • korrekte Trinkgeldbehandlung
  • GoBD-konforme Datenhaltung
  • Abstimmung mit Steuerberater

Gerade bei Kassensoftware ist fachliche Prüfung Pflicht. Fehler können steuerlich teuer werden.

PMS komplett ersetzen oder ergänzen?

Bei Gastronomie-Kassen gilt wie bei vielen Branchensystemen: Der komplette Ersatz ist nicht immer der beste erste Schritt.

Ein hybrider Ansatz kann sinnvoll sein:

  • Bestehende Kasse bleibt für rechtlich kritische Kernfunktionen bestehen.
  • Eine eigene App ergänzt Reservierung, Menüpflege, Reporting, Loyalty oder interne Prozesse.
  • Später kann entschieden werden, ob ein vollständiger Ersatz sinnvoll ist.

Das senkt Risiko, Projektkosten und Einführungsaufwand.

Fazit

Für Einzelgastronomen ist ein Abo-Kassensystem fast immer die bessere Wahl. Die Einführung ist schnell, der Funktionsumfang reicht aus, und die laufenden Kosten bleiben überschaubar.

Für wachsende Gastronomiegruppen mit mehreren Standorten, vielen Kassenplätzen oder eigenen Konzepten kann eine individuelle Kassenlösung wirtschaftlich sinnvoll werden. Der Vorteil entsteht vor allem durch wegfallende Lizenzskalierung, eigene Prozesse und zentrale Steuerung über alle Standorte.

Die beste Entscheidung entsteht durch eine saubere TCO-Rechnung über fünf Jahre: Software, TSE, Hardware, Add-ons, Payment, Support, Schulung, Integrationen und Prozesskosten.

Fragen und Antworten

Ist eine individuelle Kasse KassenSichV-konform?

Ja, wenn die TSE korrekt integriert wird und Export, Belegausgabe, Protokollierung und Datenhaltung sauber umgesetzt sind. Dafür sollten etablierte Fiskalisierungsanbieter genutzt werden.

Wie werden Menüänderungen eingepflegt?

Über ein Admin-Interface. Kategorien, Artikel, Preise, Varianten, Allergene und Verfügbarkeiten können dort ohne Programmierkenntnisse gepflegt werden.

Kann die App auf bestehenden iPads laufen?

Ja. Möglich ist eine Progressive Web App oder eine native iOS-App. Ob vorhandene Hardware ausreicht, hängt von Alter, Betriebssystem und Peripherie ab.

Ist eine eigene Kasse günstiger als Lightspeed oder orderbird?

Nicht bei kleinen Betrieben. Ab mehreren Standorten und vielen Kassenplätzen kann eine eigene Lösung über fünf Jahre günstiger werden.

Wie lange dauert die Entwicklung?

Ein MVP für zentrale Kassenprozesse liegt meist bei 10 bis 14 Wochen. Eine vollständige Lösung mit TSE, DATEV, Rollen, Offline-Funktion, Reporting und Integrationen liegt eher bei 4 bis 8 Monaten.

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